Miriam Fricke

Gemeindereferentin

Miriam.fricke@bistum-magdeburg.de

0163 8794473

 

 

Wo komme ich her?

Ursprünglich komme ich aus Dessau, wo ich evangelisch aufgewachsen bin.
Dort habe ich meine gesamte Kindheit und Jugend verbracht und nach der Schule eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht. Zur Katholischen Kirche und vor allem zu meinem Glauben, bin ich erst Stück für Stück gekommen. Mich hat lange das Gefühl begleitet: Gott gibt es – aber er hat eben leider absolut nichts konkret mit meinem Leben zu tun.
Für mich war das Evangelium lange eher eine Art Geschichte, die vor 2000 Jahren spielte und aus der man so manches fürs Leben mitnehmen kann, aber eben nichts, was konkret Auswirkungen auf mich und meinen Glauben gehabt hätte.
Wer oder was hat mich auf den Weg gebracht?

Durch einen Schulwechsel fand ich mich dann plötzlich in einem katholischen Freundeskreis wieder und durfte bei einer Familie erleben, wie sehr der christliche Glauben dort im Alltag eine Rolle spielte und das hat mich total fasziniert.
Dass es Menschen gab, für die Kirche und Christ-Sein mehr war, als am Sonntag zum Gottesdienst zu gehen, die auch über ihren Glauben und ihre Zweifel sprachen, gerne auch noch mal die Predigt diskutierten und versuchten, ihr Leben aktiv und bewusst christlich zu gestalten.
Mit der Zeit ging ich dann zu den Jugendstunden der Katholischen Kirche mit, war bei Freizeiten mit dabei, als Helferin bei den Religiösen Kinderwochen und merkte:
Irgendwie gab mir all das einen Halt.

Mein erster Katholischer Gottesdienst den ich dann erlebte, war die Firmung einer Freundin und dieser Gottesdienst kam mir zunächst wie ein einziges großes Rätsel vor.
Ständig hinsetzen, aufstehen, hinknien, Gesänge auf Latein, ein Bischof, Weihrauch, Ministranten und viele Texte, die die Gemeinde mit sprach und bei denen ich mich fragte: Woher wissen die, wann sie was sagen müssen und was bedeuten die Texte eigentlich, die sie sprechen?
Was machen die Menschen in der Zeit, wenn sie knien…?
Diese erste Hl. Messe war für mich der Ausgangspunkt, die Gemeindereferentin und einen Maristenbruder in Dessau mit Fragen zu löchern und so ging eine Zeit los, in der ich viel über die katholische Liturgie und den Glauben erfuhr und meine bisherigen Gottesdiensterfahrungen und meinen eigenen Glauben hinterfragte – und dadurch neu entdeckte. Für mich wurden die Gottesdienste so wichtig, dass ich irgendwann jede Woche hin ging und ich setzte mich zwischen ihnen so viel mit Glaubensthemen, mit Fragen und mit meiner Suche nach Gott auseinander, dass ich irgendwann merkte – so weit weg ist Gott gar nicht mehr.
Ausschlaggebend dafür, dass ich dann konvertierte, war die Erfahrung, dass ich während der Ausbildung zur Buchhändlerin zwei Mal für je 9 Wochen in Frankfurt a.M. war und dort irgendwann zufällig in eine Vorabendmesse im Dom landete und dachte: Hier fühle ich mich Zuhause. Einfach, weil mir die Liturgie so vertraut war und ich sofort ein Gefühl der Verbundenheit hatte. Das war dann – zurück in Dessau – für mich der Anlass, mich zu fragen: Wenn du dir 500 Km von Zuhause entfernt eine katholische Vorabendmesse suchst und da merkst, du fühlst dich Zuhause, dann solltest du überlegen, was dich noch mit der evangelischen Kirche verbindet.
Da stand für mich fest, ich will konvertieren. Nicht weil ich etwas gegen die evangelische Kirche hätte, sondern weil ich(!) in der katholischen Kirche meinen Glauben besser leben kann, mich die Verbundenheit einer Weltkirche beeindruckt und ich dort Gott zu suchen und finden gelernt habe.

Also konvertierte ich. Empfing mit 19 Jahren die Firmung und die Erstkommunion und stellte fest… ich hab noch so viel mehr Fragen über meinen Glauben und an und über  Gott und ich finde Kirche so interessant, dass ich mich beim Bistum bewarb und kurzerhand nach meiner Ausbildung begann, Religionspädagogik zu studieren, um Gemeindereferentin zu werden.

 

Wie lebe ich meine Berufung heute?

Mittlerweile arbeite ich als Gemeindereferentin in Bad Liebenwerda, in einer Pfarrei ohne Pfarrer, die von einem Team aus Ehren- und Hauptamtlichen geleitet wird.
Ich liebe daran vor allem die Abwechslung und Vielfältigkeit in meiner Arbeit, schätze es sehr, dass kein Tag wie der andere ist, ich meine Zeit sehr frei gestalten kann und immer wieder anderen Menschen auf unterschiedlichste Weise begegnen darf.
In all den Begegnungen und an den vielen Orten an denen ich bin, spüre ich immer wieder: Gott ist da. Und er ist in all dem lebendig.
Und ich glaube fest: Es gibt weder gottverlassenen Orte noch Zeiten.

Was ich als meine Berufung sehe?
Da sein, zuhören und Zuspruch (weiter)geben.
In genau dieser Reihenfolge.
Ich will da sein für mein jeweiliges Gegenüber – unabgelenkt.
Will mit Herz und Seele mein Gegenüber wahr- und ernst nehmen und Gott mittendrin.

Ich möchte zuhören – Gott und den Menschen.
Statt vorschnell scheinbar offensichtliche Antworten parat zu haben und blind mit Ratschlägen um mich zu werfen, möchte ich zuhören und erfahren: Worum geht es meinem Gegenüber wirklich? Welche Sehnsucht ist da zu spüren…?

Und ich will Menschen (Gottes) Zuspruch (weiter)geben.
Für ihr Leben, so wie es ist.
Für ihr Suchen und Zweifeln.
Für ihre Sehnsüchte.
Für ihr ganzes verrücktes, wundervolles, chaotisches, manchmal auch tieftrauriges, kompliziertes und schwieriges Leben und Ihnen zusagen: Gott ist da.
Auch konkret für Dich und in Deinem Leben.

Die prägendste Frage für mich in meinem Beruf ist übrigens ein Zitat von Madeliene Delbrêl (eine französische Mystikerin). Sie fragte:
„O Gott, Wenn du überall bist, wie kommt es dann, dass ich so oft anderswo bin?“
Ich bin immer noch auf der Suche nach Gott – und glaube, diese Suche wird auch nie aufhören. Und das ist gut so, weil Gott immer anders und mehr ist, als ich denke.
Mein Beruf ermöglicht mir aber, gemeinsam mit anderen Menschen nach Gott suchen und ihn hier und da auch zu finden und zu entdecken. Und das ist großartig!