Stephan Werner

Priester

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Wo komme ich her?
Aus Mecklenburg, dem damaligen Bezirk Neubrandenburg, wo ich kurz nach der ersten Mondlandung eines Menschen geboren wurde. Und aus einem Elternhaus, das inzwischen in der einzigen Schifferstadt der Welt steht, die Roßlau heißt. Hervorgegangen bin ich als Kreuzung aus einer Mathematikerin und einem Landwirt in einer achtköpfigen Familie. Gelernt haben sollte ich natürlich auch schon was: Nach der Lehre zum Elektriker und dem Abitur an der Volkshochschule kam die Wende – so bin ich nun ein Studierter der Mathematik und Theologie sowie zwischendurch ein mehrjähriger Ungelernter als Hilfskraft in der Altenpflege. Und zu vorerst guter Letzt, die nun schon über ein Jahrzehnt anhält, hat mich der Herr und Schöpfer voll Erbarmen und vermutlich mit großen Hoffnungen zum Priester seiner Kirche gemacht. Was der Sich bloß dabei gedacht haben mag …

Wer oder was hat mich auf den Weg gebracht?
Gute Frage eigentlich. Vielleicht mein längst verstorbener Heimatpfarrer, der in uns Ministranten die Liebe zur Liturgie gestärkt und sogar versucht hat, uns hobbymäßig Latein zu lehren – Letzteres mit mäßigem Erfolg. Oder eine Allerweltsfürbitte um Priesterberufungen in einer Dorfkirchen-Sonntagvorabendmesse während eines Familienurlaubs, die in mir die Frage ausgelöst hat, ob ich, wenn ich sie ernst meine, nicht auch selber was für die Erfüllung tun müsste, und weiterführend, ob ich womöglich gar selber gemeint sein könnte. Oder ein Staatsbürgerkundelehrer, der uns die marxistisch-leninistische Wahrheit lehren wollte und uns dazu als Hausaufgabe einen philosophisch angehauchten Vortrag abverlangte – was mich dazu führte, mir mal tiefere Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Oder eine mir zu gleicher Zeit geschenkte Bibel, die ich voller Ehrgeiz und Pflichtgefühl tatsächlich mal mit sowohl Interesse als auch Mühe von vorn bis hinten geschafft habe – Geschenke sollte man schließlich auch auspacken. Oder eine Spruchkarte zum neuen Jahr von meinem Schwarm in jener Zeit: „Man muß nicht jeden Tag etwas Großes tun – aber jeden Tag etwas Gutes!“ Oder gute Bekannte, die auf einer mehrtägigen Fußwallfahrt von Magdeburg ins Eichsfeld wohl unabhängig voneinander mehr in mir zu entdecken glaubten und mir das auch sagten, als ich mir selber zutrauen würde. Oder eine in mir versteckt wohnende Abenteuerlust und Entdecker- und Knobelfeude: Ob das wirklich gelingt, wenn ich mich ganz auf Gott einlasse und mich Ihm zur Verfügung stelle? Wie Er wohl mit mir das schafft, was nach menschlichem Ermessen gar nicht gehen kann? Oder ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, stark geprägt während meines Studienjahres in Ungarn, als so viele freundliche Menschen und glückliche Umstände mich weiter- und durchgetragen haben, was in mir das Bedürfnis auslöste, mich Gott gegenüber doch irgendwie erkenntlich zu zeigen – was ja unter anderem in der Feier der Eucharistie, der Danksagung, möglich sein sollte.
Vermutlich hat Gott alles und noch manches Weitere zusammengerechnet. Dass ich Priester geworden bin und Er es nicht verhindert hat, ist jedenfalls in erster Linie Sein und nicht mein Problem.

Wie lebe ich meine Berufung heute?
Da regt mich ja schon die Frage an! Irgendwie bin ich, glaube ich, ein „Weihnachtsmann“. Jemand, der die Hoffnung nicht verloren hat und für die Rettung der Welt ist. Der will, dass die Menschen in den Himmel kommen – und dass dies auf Erden anfängt und zu spüren ist. Und der Gottes Idee genial und menschlich unausdenkbar findet, das Ganze am besten dadurch zu bewerkstelligen, dass Er Sich in Seinem Sohn Jesus Christus ganz mit uns verbindet – von der Wiege bis zur Bahre und darüberhinaus. Die Menschen Mitmenschen sein lassen, an ihrem Leben Anteil nehmen und mich im Übrigen also um Gottes Sache und nicht übermäßig um mich selber kümmern im Vertrauen darauf, dass um mich Er Sich sorgt – damit habe ich gute Erfahrungen gemacht.