UNS’RE HEIMAT

Als Schuljunge musste ich im Musikunterricht das Lied „Unsre Heimat“ lernen, das einigen vielleicht sogar bekannt sein dürfte. Darin heißt es:

Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer, unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
Unsre Heimat ist das Gras auf der Wiese, das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
und die Tiere der Erde und die Fische im Fluss sind die Heimat.
Und wir lieben die Heimat, die schöne und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört, weil sie unserem Volke gehört.

Ich habe das früher gern gesungen. Nicht wegen der Ideologie, die sich dahinter verbarg, sondern wegen der schönen Melodie. Mittlerweile bin ich längst erwachsen und sehe, wie sehr sich heute mein Bewusstsein von Heimat doch gewandelt hat. Vor allem im Vergleich zu der Heimat, wie sie in eben jenem Lied besungen wird. Denn dieser Heimatbegriff erscheint ja schon recht eingeschränkt und macht sich eigentlich und ausschließlich an materiellen, an gegenständlichen Dingen fest: Pflanzen, Tieren, Gegenden, Ortschaften.

Reicht das aber schon aus, um Heimatgefühle zu entwickeln? Braucht es nicht mehr, damit wir uns wirklich heimisch fühlen können? Heimat hängt doch nicht nur an Orten und Landschaften. Heimat, das sind doch oft ganz bestimmte Menschen. Persönlichkeiten, die unser Leben nicht nur prägen, sondern uns in einer Weise berühren, dass wir durch sie das Gefühl bekommen, wirklich zuhause zu sein. Bei einigen wenigen Menschen ist es sogar so stark, dass diese enge Verbindung selbst den Tod übersteht. Für uns Christen kommt außerdem hinzu, dass wir unseren Heimatbegriff weiterfassen dürfen, ja im Grunde sogar weiterfassen müssen, da er sich niemals in dem erschöpfen kann, was uns die Erde bietet.

Im Johannesevangelium sagt Jesus uns zu und gibt uns das feste Versprechen: Unsere Heimat ist bei Gott. Ganz gleich, wo und wie wir leben mögen, ganz egal, welchen Verlauf unser Lebensweg nimmt:  Jesus Christus ist das Ziel, ist der heimatliche Ankerplatz unserer Existenz. Und an seiner Zusage „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten.“ darf sich unser gesamtes Leben festmachen. Daran sollten wir uns gerade in den schweren Zeiten und den herausforderungsvollen Momenten unseres Lebens festklammern. Denn dieses Versprechen will uns ermutigen und trösten, erfreuen und bestärken, stützen und aufrichten.

Auch und gerade im Angesicht des Todes, dem Christus mit seiner Auferstehung die Endgültigkeit genommen hat. Darum dürfen wir den Himmel als unsere geistliche Heimat betrachten; als unser Zuhause, in dem wir von Gott erwartet werden. Und von den Menschen, denen es zu ihren Lebzeiten gelungen ist, uns ein Heimatgefühl zu geben.

Ja, uns‘re Heimat, das sind – Gott sei Dank – nicht nur die Städte und Dörfer. Uns‘re Heimat ist der Himmel.

Pfarrer Christian Kobert