Die richtige Wahl

Mit seinen sechs Landtagswahlen und der Bundestagswahl gilt 2021 als Superwahljahr. Dann bin auch ich aufgerufen ins Wahllokal gehen, um mein Kreuzchen zu machen und meine Stimme abzugeben. Auf diese Weise soll ich einzelnen Kandidaten sowie einer bestimmten Partei mein Vertrauen schenken. Aber wem? Wer ist wohl am ehesten in der Lage, meine Anliegen, meine Interessen zu vertreten? Wem traue ich diese Fähigkeiten zu und wem nicht? Diese Fragen habe ich mir schon bei der letzten Wahl gestellt. Und? Haben die Kandidaten ihre Versprechen gehalten oder wurde ich enttäuscht?

Dabei kommt mir immer wieder ein Ausspruch Jesu aus dem Johannesevangelium in den Sinn: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ Das sagt Jesus nicht nur seinen Jüngern, den Zuhörern, die sich damals um ihn versammelt hatten. Nein er sagt es auch mir. Mit diesem Satz drückt er aus, dass er mir sein Vertrauen schenkt und auf mich baut, obwohl – oder gerade weil – er mich kennt. Weil er um meine Schwächen, meine Ecken und Kanten weiß. Dennoch erwählt er mich und nimmt mich in seinen Dienst, um seine Botschaft in die Welt zu tragen, um ihn mit meinem Reden, meinem Handeln, mit meinem Leben vor den Menschen zu bezeugen.

Dabei gibt es doch mit Sicherheit weitaus mehr Menschen, die besser reden und intensiver beten können, die hilfsbereiter und missionarischer sind als ich. Frauen und Männer, die mir geeigneter und begabter erscheinen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Und dennoch: Gott zählt auf mich. Ich darf mir bewusst sein, dass ich ihm wichtig bin und er will, dass ich meine wenigen Talente und kleinen Begabungen für ihn und die Menschen einsetze.

Sicherlich werde ich dabei oft an Grenzen stoßen, werde einsehen müssen, dass ich versagt habe und der mir übertragenen Aufgabe nicht gerecht geworden bin. Dass heißt aber nicht, dass Gott mich von seiner Wahlliste streicht. Bei ihm kann ich darauf vertrauen, dass er seine Wahl nicht bereut, selbst wenn ich Fehler mache oder falsche Entscheidungen treffe. Für ihn zählt einzig und allein, dass ich mich ihm immer wieder anvertraue, mit allem was ich habe und bin. Gott schenkt mir sein Vertrauen. An mir liegt es, diese Wahl anzunehmen. 

Pfarrer Christian Kobert
Pfarrei St. Christophorus, Haldensleben